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Obst

6. Oktober 2009

Der Knirps ist 7 Monate und 27 Tage alt.

Der Knirps ißt inzwischen sehr viel Obst. Meist bekommt er Obst zum Frühstück, und dann auch nochmal vormittags oder nachmittags als Zwischenmahlzeit. Und noch haben wir keine Obstsorte entdeckt, die er nicht mag; selbst die anfangs verschmähten Aprikosen hat er etwas später verschlungen. Was er bekommt, richtet sich daher meist nach dem aktuellen Angebot – im Hochsommer war eben mehr Melone dabei, zur Zeit stehen Birnen und Zwetschgen hoch im Kurs. Bis auf Äpfel ißt er alle Obstsorten roh, und selbst da gibt es inzwischen einzelne Sorten, die ich nicht mehr dünsten muss. Außerdem lasse ich die Schale immer am Obst; teilweise ißt er sie mit (bei reifen Zwetschgen etwa), und ansonsten bietet die Schale dem weichgekauten Fruchtfleisch Halt, so dass er nicht nur noch Matsch in der Hand hat. Bekannterweise sitzen ja viele wichtige Inhaltsstoffe direkt unter der Schale – praktisch und gesund also.

Hier also eine kleine Übersicht unserer getesteten Obstsorten:

Melone Schnitze oder kleinere Stücke

Melone gehörte ja zu den ersten Obstsorten, die der Knirps bekam. Anfangs in langen Schnitzen mit Schale, um das Stück griffiger zu machen; später auch ohne Schale und dann auch in kleineren Stücken, die er einfach aufnimmt und ganz in den Mund steckt. War zwar klebrig, aber immer beliebt. Leider ist die Melonenzeit vorbei.

Apfel gedünstet (harte Sorten) oder roh (weiche/krümelige Sorten), in Achtel oder Viertel

Rohe Äpfel waren lange Zeit zu hart für den Knirps. Er konnte zwar Stücke abbeissen, weil er ja schon seit seinem fünften Monat die ersten Zähne vorne hatte – doch mit den Stücken konnte er dann nichts anfangen und hat sie wieder ausgespuckt. Also habe ich die Äpfel in Viertel geschnitten und gedünstet bzw. kurz in die Mikrowelle gesteckt, bis sie gerade so weich waren. Dann hat er begeistert das Fruchtfleisch abgekaut und die Schale am Schluß übrig gelassen bzw. ausgespuckt. Inzwischen hat er auch schon den ein oder anderen Apfel roh essen können. Es scheint sortenabhängig zu sein – nur kann ich mir leider nie merken, welche Sorten er nun roh schafft und welche nicht.

Birne roh, am Stück oder in Vierteln/Hälften

Eigentlich kaufe ich keine Birnen. Harte schmecken nach wenig, und die anderen werden in wenigen Tagen so unerträglich weich und matschig, dass ich sie nicht mehr essen mag. Der Knirps dagegen findet die weichen Birnen toll und verschlingt sie einfach so am Stück. Oft nehme ich den Stil ab und er beisst dann von oben her ab; Birnen haben ja oft ein sehr weiches, kaum vorhandenes Kerngehäuse, das er dann einfach ausspuckt. Ohne Schneidezähne wäre es vermutlich besser, geschnittene Viertel zu servieren, was wir auch manchmal tun. (Übrigens: Birnen erzeugen in heller Kleidung unangenehme, braune Flecken, die man erst später sieht.)

Pfirsich/Nektarine roh (auf reife Früchte achten, sonst zu hart) in Vierteln oder Hälften

Gerade bei Nektarinen gibt es Sorten, die zunächst zu hart sind. Aber ansonsten ist der Knirps diese Früchte genauso wie Äpfel: er nagt und saugt und kaut das Fruchtfleisch von der Schale. Wenn die Schale dünn genug ist, dann ißt er gelegentlich auch ein Stück davon mit. Auch hier gilt: Vorsicht Flecken!

Pflaumen/Zwetschgen/Aprikosen roh, ganz (ohne Stein) oder in Hälften

Bei Pflaumen, Zwetschgen und Aprikosen (deren Zeit ja leider schon vorbei ist) nehme ich den Kern heraus und gebe sie dem Knirps dann ganz oder in Hälften. Er kaut dann entweder wie üblich das Fruchtfleisch von der Schale und hält den Rest fest, oder er nimmt bei kleinen Früchten wie Zwetschgen oder kleinen Zuckeraprikosen die ganze Fruchthälfte in den Mund, kaut sie aus und spuckt am Ende die (mehr oder weniger) leere Schale wieder aus. Auf die Art kann er inzwischen an manchen Tagen durchaus zehn Zwetschgen verschlingen… Inzwischen passiert es auch immer öfter, dass er die Schale mitkaut und dann auch schluckt. Verlustfrei, sozusagen.

Banane ganze oder halbe Banane am Stück (ohne Schale)

Bananen haben anfangs ja nicht so gut funktioniert, weil der Knirps so fest zugepackt hat, dass es in großem Gematsche endete und er mit den kleingematschten Stücken damals nichts anfangen konnte. Inzwischen hat sich das geändert; einerseits hat er jetzt wohl mehr „Gefühl“ beim Greifen und zerquetscht sie nicht sofort, andererseits kann er auch kleinere Stücke, die er abgebissen oder abgedrückt hat, wieder aufnehmen und in den Mund stecken. Und das mit weniger Sauerei, als man vermuten könnte. Momentan isst er jeden Morgen eine ganze Banane. Ich hatte übrigens schon ausprobiert, ob ich ihm die teilweise geschälte Banane einfach mit Schale in die Hand drücken kann, damit es weniger Matsch wird – aber dann beißt er auch ständig in die Schale. Also vielleicht in ein paar Monaten wieder.

Feige ganz oder halbiert (frische Früchte)

Eigentlich waren die Feigen eher für mich als für den Knirps gedacht, aber natürlich wollte er dann etwas abhaben. Also hat er eine eigene bekommen. Und dann noch eine. Geschmeckt haben sie ihm wohl, sie sind ja auch schön weich und süß (wenn sie reif genug sind). Allerdings hat er etwas seltsam darauf reagiert, die Zunge war leicht rot und er hat bei den letzten Bissen gejammert. Ich war mir unsicher, ob er leicht auf die Feigen reagiert hat oder sich vielleicht einfach nur auf die Zunge gebissen hat. Sicherheitshalber gibt es zunächst mal keine Feigen mehr für den Knirps.

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Die einzigen Obstsorten, die ich ihm bisher gezielt nicht gegeben habe, sind Trauben und Kirschen. Bei beiden hatte ich die Befürchtung, dass die Größe genau so ist, dass er daran ersticken könnte. Inzwischen sehe ich das etwas lockerer und würde, wie oft empfohlen, ihm genauso auch halbe Trauben und halbe Kirschen geben. Denn was er sonst an Gemüse und Obst ißt, hat nun oft genau diese Größe, und er kommt sehr gut damit zurecht. Nur halbieren würde ich sie immer, so dass nicht etwa eine glatte Traube in den Hals rutschen kann, ohne dass er sie zerdrücken kann.

Thai-Curry

14. September 2009

Gestern gab es bei uns eine Art Thai-Rot-Curry (Freistilversion). In dem Fall waren das Brokkoli, rote Paprika, Karotten, Frühlingszwiebeln, Tofu, dazu dann Kokosmilch und thailändische rote Currypaste. Da die Currypaste sowieso hauptsächlich aus scharfen roten Chilis besteht (ansonsten Ingwer, Zitronengras und solche Dinge), muss ich mit dem Zeug sparsam umgehen, damit auch mein Mann noch mitessen will. Und ein Blick auf die Packung sagte mir: 13,5% Salz. Bei zwei Teelöffeln, etwa 10 g Salz, macht das also 1,3 Gramm Salz auf die komplette Pfanne – da kann der Knirps seine Portion locker mitessen.

Dazu gab es Reis. Wenn ich nicht gerade in den Asialaden komme und dort passenden Reis kaufen kann, mache ich normalerweise Basmatireis dazu. In letzter Zeit, wenn der Knirps mitisst, hätte ich den Reis aber gerne etwas klebriger und weniger kleinkörnig, damit er ihn besser aufnehmen kann. Auch wenn nun so mancher (Hobby-)Koch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchte: statt Klebreis nehme ich dann Milchreis, den ich ganz normal als Quellreis mit Wasser koche. Milchreis ist ebenfalls ein sehr stärkehaltiger Rundkornreis und funktioniert für meine Alltagsansprüche ganz hervorragend. Und er haftet beim Essen wunderbar am Gemüse, so dass der Knirps tatsächlich auch etwas vom Reis abbekommt.

Das Gemüse und den Tofu habe ich für uns etwas kleiner geschnitten und für den Knirps von jeder Sorte ein paar größere Stücke in die Pfanne getan. Außerdem habe ich seine Paprika, die für uns eher bissfest war, am Ende nochmal kurz in der Mikrowelle weicher gemacht. Ansonsten hat er mal wieder genau das gegessen, was wir hatten. Die Kokos-Curry-Sauce scheint gut gewesen zu sein, den Tofu hatte er anders als die übrigen Zutaten noch nicht gekannt und trotzdem begeistert verschlungen. Wie ich inzwischen nachgelesen habe, hat Tofu ebenfalls einen hohen Eisengehalt und ist außerdem schön weich – ein sehr praktisches Nahrungsmittel für baby led weaning. Weiteren asiatischen Essen steht also nichts im Wege!

Achja: normalerweise würze ich die Pfanne noch mit Sojasauce nach, was ich in dem Fall dann nur mit unserer Portion getan hätte, da Sojasauce ebenfalls recht salzhaltig ist. Aber da sich die Flasche noch in irgendeinem Umzugskarton versteckt, hat sich das erübrigt…

Ess-Alltag

3. September 2009

Ich gebe zu, ich bin immer noch hintendran. Und ich habe momentan auch kaum eine Chance, hier auf den neuesten Stand zu kommen. Der Knirps isst nämlich inzwischen wirklich viel – also nicht mengenmäßig, aber eben viele unterschiedliche Nahrungsmittel.

Normalerweise bekommt er jetzt morgens Obst. Mal sind das ein oder zwei Zwetschgen, mal gedünsteter Apfel (roh ist er zu hart), mal Nektarine. Ab und zu geben wir ihm auch ein kleines Stück Brot oder Semmel (ersetze: Brötchen/Weckle/Schrippe/…). In den Mengen, die er am Ende wirklich isst, ist der Salzgehalt noch vernachlässigbar.

Mittags kriegt er, was ich gerade finde. Gelegentlich sind noch zwei oder drei Nudeln oder eine Kartoffel vom Vortag übrig. Sonst brate ich meist etwas Zucchini an oder koche eine Karotte; manchmal gibt es auch nochmal Obst, zusätzlich oder ausschließlich. Das Problem ist wohl, dass ich selbst mittags oft nichts oder nichts vernünftiges esse. Wenn ich für den Knirps Zucchini koche, dann esse ich auch welche, aber so alleine für mich knabbere ich meist hier mal an einer Brotscheibe, dort an einer Tomate aus der Hand und da an einer Tafel Schokolade . Da ist noch viel Raum für Verbesserung von meiner Seite. Was ist das Stillen doch praktisch *seufz*.

Ab und zu bekommt der Knirps nachmittags nochmal Obst, wenn er möchte. Dass er möchte, zeigt er sehr eindeutig, wenn man die Küche betritt – er kreischt dann, wenn wir sie ohne Essen wieder verlassen…

Dann abends kommt der Knirpspapa nach Hause, und wir essen alle gemeinsam die tägliche Hauptmahlzeit. Alle, also auch der Knirps. Noch kann er nicht immer alles mitessen, manchmal bekommt er dann eben hauptsächlich Gemüse und Nudeln oder Kartoffeln. Aber es wird jeden Tag mehr. Und dabei schränken wir unsere Gewohnheiten kaum ein. Fleisch würzen wir nur für uns, nicht für ihn, und lassen ihn daran herumkauen. Gemüse wird überhaupt nicht mehr gesalzen, was übrigens genau wie bei vielen Saucen gar nicht mehr auffällt – besonders, wenn man mit viel Kräutern, Gewürzen, Knoblauch und Zwiebel arbeitet. Je nach Gericht schneide ich die Gemüsestücke etwas größer, als ich das sonst machen würde.

Aber so hat der Knirps von Nudeln mit Spinat und Nudeln mit Tomatensauce über Ratatouille bis Gulasch mit Kartoffeln schon so ziemlich alles gegessen. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg – technikabhängig und auch tagesformabhängig. Aber er hat sichtlich Spaß dabei, wir auch und er wird immer besser darin, auch kleine Stücke aufzunehmen und Dinge auf dem Zahnfleisch zu zerkauen. Alles in allem also genau richtig.

Knoblauchnudeln oder: von wegen Pause!

13. August 2009

Da habe ich wohl den Knirps nicht miteingerechnet, als ich eine Erkältungspause beim Essen beschlossen hatte. Sobald wir etwas essbares vor uns hatten, hat er angefangen zu schmatzen und zu hampeln. Mein Wurstbrot gestern mittag hätte er mir am liebsten aus der Hand geklaut, also habe ich ihm schließlich doch einen Babyzwieback in die Hand gedrückt, den er fast komplett aufgegessen hat. Abends dann ein paar Stücke Kohlrabi, wobei er da wirklich nicht viel gegessen hat, vermutlich war er einfach schon zu müde zu der Zeit.Solange er aufrecht sitzt, ist die Nase eigentlich auch frei, von daher ist das Problem kleiner, als ich eigentlich dachte. Stillen, besonders nachts, scheint ihm da wesentlich mehr Mühe zu bereiten.

Und heute mittag habe ich Knoblauchfusili gemacht. (Hey, ich bin in Elternzeit und erkältet, also menschlicher Kontakt mit Fremden heute gleich null – was ist da besser als viel, viel Knoblauch?) Eigentlich ja Knoblauchspaghetti, aber da mir klar war, dass der Knirps auch etwas essen möchte, habe ich mich für die besser greifbaren Spiralnudeln entschieden. Dann wie üblich: Olivenöl, jede Menge Knoblauch, minimal Chilipulver (weil keine frischen Peperoni da sind) und das ganze über die gekochten Nudeln kippen. Was soll ich sagen? Der Knirps war begeistert. Nudeln findet er sowieso gar nicht so übel. Er hält sie fest und lutscht daran herum, und wenn er Stückchen abbeisst, mampft er solange, bis er sie schlucken kann. Knoblauch ist also in Zukunft definitiv kein Hindernis. Wie praktisch für mich…

Erkältungspause

11. August 2009

Hier gibt es momentan eine Essenspause. Denn seit gestern ist der Knirps erkältet. Ich auch, aber das tut ja nichts zur Sache. Jedenfalls kann er kaum trinken, weil die Nase entweder komplett zu ist oder ständig läuft. Daneben hustet und jammert er und hat etwas Fieber. Alles in allem ist mir das in der Situation zu gefährlich, was das verschlucken angeht – so ein Hustenanfall mit einem Mund voller Gemüse ist ja nicht mal für uns Erwachsene lustig. Vorerst wird also nur gestillt, was ihn ja auch noch mit allen nötigen Nährstoffen und feinen Abwehrkräften versorgen sollte, die er gerade gut brauchen kann. Und essen kann er dann in ein paar Tagen wieder, wenn es ihm besser geht.

(Vielleicht komme ich ja dann endlich mal dazu, die Artikel auf den neuesten Stand zu bringen und die aktuellen Nahrungsmittel hinzuzufügen… )

Menü für den Knirps

5. August 2009

Am Wochenende hat der Knirps zum ersten Mal ein komplettes Menü bekommen. Man kennt das ja von den allgegenwärtigen Baby-Menügläschen… Rindfleisch mit Karotten und Kartoffeln. Mit einem kleinen Unterschied natürlich: sein Menü war nicht püriert. Da lagen zwei gebackene Kartoffelscheiben und eine gebackene Karotte, daneben ein Streifen Rindersteak. Der Knirps war hochgradig begeistert.

Vom Fleisch hat er wie zu erwarten nichts abbekommen. Doch der Geschmack scheint schon mal Anklang zu finden; er hat seinen Steakstreifen kräftig ausgelutscht und ausgekaut. Nachdem ich in meinem Buch gelesen hatte, dass viel wertvolles Eisen gerade in den Fleischsäften gebunden ist, habe ich den Streifen einfach gut durchgebraten und so zum lutschen angeboten. Kartoffel und Karotte dagegen hat er wie auch bisher schon einiges gegessen. Es ist übrigens interessant gewesen, dass er mit den gebackenen Kartoffeln durch die vom Backen etwas festere Außenhaut viel besser umgehen kann als mit gekochten Kartoffeln.

Dieses Essen war unsere Premiere, was gemeinsames Familienessen angeht. Wir beide haben nämlich genau dasselbe gegessen. Zwar haben wir unsere Ofenkartoffeln noch leicht nachgesalzen, aber ansonsten lag auf unseren Tellern einfach das, was auch vor dem Knirps auf der Unterlage lag. Kein zusätzlicher Aufwand, keine zusätzlichen Nahrungsmittel. Und während wir unser Steak genossen haben, war der Knirps wunderbar mit seinem eigenen Essen beschäftigt, ohne dass wir irgendetwas tun mussten. Genau das ist es, was den baby-led weaning-Ansatz für mich so entspannt macht.

Nichts gegessen?

31. Juli 2009

Eine Sorge, die man immer wieder liest, betrifft die Menge, die wirklich gegessen wird. Wenn man dem Ansatz des baby-led weaning folgen möchte, dann sollte man sich von solchen Gedanken allerdings besser frei machen. Denn das Kind entscheidet, wie viel es isst, wie schnell, und ob überhaupt.

Neugier, nicht Hunger

Es ist überhaupt nichts ungewöhnliches, wenn selbständig essende Kinder anfangs wochen- oder sogar monatelang nur an Obst und Gemüse lutschen, ohne dabei ein einziges Stückchen zu verschlucken. Man muss sich dabei vielleicht noch mal klar machen, worauf der blw-Ansatz basiert: auf der Neugier des Babys. Nicht auf Hunger. In dem Alter, in dem man mit der Beikost nach Bedarf beginnt, also irgendwann um das magische halbe Jahr herum, nehmen Kinder sowieso alles in den Mund. Spielzeug, Finger, Kleidung und – wenn sie es in Reichweite haben – eben auch Essen. Mit den ersten Probierern entdecken sie dann, dass der Geschmack interessant ist. Vielleicht schmeckt Brokkoli einfach besser als die Holzrassel. Aber als Nahrung verstehen sie es deshalb trotzdem noch längst nicht. Hunger wird noch lange Zeit nur mit Milch in Verbindung gebracht.

Essen lernen

Um wirklich essen zu können, sind ja auch einige komplexe Vorgänge nötig, die das Baby erst lernen muss. Die Kaubewegung ist eine davon. Aber auch das nützt nur, wenn das Essen mit Fingern oder Zunge in Richtung Kauleisten geschoben wird, also schon wieder eine neue Fähigkeit. Alleine das Gefühl, plötzlich den Mund voll mit Nichtflüssigem zu haben, ist für die Kinder bestimmt erst einmal ungewohnt. Dem Knirps hat man seine Verwunderung anfangs richtig angesehen; er hat überhaupt nichts gemacht und nur gewartet. Was die Zunge mit den Dingen im Mund anstellen kann, dass manches mit der Zeit durch den fließenden Speichel weicher wird, das alles wissen die Kinder ja nicht von Anfang an. Auch die unterschiedliche Konsistenz der Lebensmittel will erforscht sein. Das eine ist weich und matschig, das andere weich, aber trocken, das nächste hart und bröselig, wieder anderes hart und feucht. Für jede Konsistenz müssen ganz eigene kleine Techniken entwickelt werden. Alleine dieser Lernvorgang kann auch dafür sorgen, dass ein Kind genug vom Essen hat, weit bevor es satt wäre – es wird einfach ungeduldig oder müde.

Während sie also von Anfang an problemlos an allem lutschen können, ist das richtige Essen zum einen Übungssache und zum anderen Entwicklungssache. Soweit ich das in Erfahrung bringen konnte, kann man den Kindern weder das Kauen beibringen – das kommt einfach eines Tages, wie das Drehen und Gehen – noch den Zungenstreckreflex abgewöhnen, der zunächst alles wieder aus dem Mund befördert. Wann das der Fall ist, ist natürlich von Kind zu Kind unterschiedlich. Man sollte sich also ruhig darauf einstellen, dass das Kind mit Beikost nach Bedarf vielleicht erst mal nur an Lebensmitteln nuckelt, viele verschiedene Geschmacksrichtungen kennenlernt, aber keine Anstalten zum wirklichen Essen macht. Ich habe von Kindern gelesen, die schrittweise immer mehr gegessen haben, und von anderen, die nach wochenlangem Lutschen plötzlich von einem Tag auf den anderen richtig essen. Manche mit sechs Monaten, manche mit acht Monaten, und manche noch später.

Der Knirps wird wohl eher in die Gruppe der schrittweisen Esser gehören. Von einem kleinen Babyzwieback isst er inzwischen manchmal schon die Hälfte, vom Kohlrabi hat er neulich drei kleine Stifte jeweils zur Hälfte verzehrt, und bei der Melone schafft er schon etwa einen drittel Schnitz. Aber die Mengen sind auch von Tag zu Tag und von Mahlzeit zu Mahlzeit sehr unterschiedlich. Wir hatten schon Tage, an denen er mittags Melone geradezu verschlungen hat und dann am Abend trotzdem kleine Stücke Kartoffel gegessen hat, und andere, an denen er wirklich überhaupt rein gar nichts isst, ganz egal was man ihm anbietet. Wenn man dazu neigt, die gegessenen Mengen mit gelöffeltem Brei zu vergleichen, dann sollte man auch nicht vergessen, dass Brei meist eine ganze Menge Flüssigkeit enthält, während so eine Kartoffel eher kompakt ist. Noch passt nicht viel in den kleinen Magen.

Muttermilch ist die Hauptnahrungsquelle

Da die Kinder durch das selbständige Essen automatisch auch selbst festlegen, wieviel sie wann essen, wird zunächst weiter gestillt wie bisher. Und das ist auch überhaupt kein Problem. Die WHO zumindest empfiehlt, Muttermilch bis ans Ende des 1. Lebensjahres als Hauptnahrungsquelle beizubehalten. Richtig: nicht nebenbei weiterstillen, nicht abstillen, sondern hauptsächlich Stillen. Das übrige Essen ist im wahrsten Sinne des Wortes nur Bei-Kost. Ich persönlich mache mir wegen der Nährstoffe zunächst (also in den nächsten Monaten) keine Sorgen, solange ich stille – aber dazu schreibe ich irgendwann einen extra Beitrag. Sollte jemand deswegen massive Bedenken haben, muss man eventuell auch überlegen, ob dann dieser Beikostansatz richtig ist, da die Kontrolle eben eher beim Kind liegt. Andererseits: auch beim Brei ist nicht gewährleistet, dass das Kind von Anfang an die gewünschten Mengen der gewünschten Nahrungsmittel wie Fleisch etc. verzehrt. Und die Nährstoffe wie Eisen werden auch nicht über Nacht zu wenig.

Wichtig dabei ist übrigens auch, das Kind vor dem Essen zu stillen und nicht hinterher. Warum? Aus dem gleichen Grund, den ich weiter oben schon nannte. Das Kind lernt das Essen nicht aus Hunger, sondern aus Neugier kennen. Wenn es nun also hungrig am Tisch sitzt, dann wird es nur deswegen in den meisten Fällen nicht mehr Karotte essen, sondern eher schneller ungeduldig werden und sich nicht auf dieses neue Erlebnis konzentrieren können. Mit vollem Magen dagegen lässt sich alles viel besser erkunden, lernen, entdecken – auch wenn die Mengen anfangs mikroskopisch klein sind. Wenn das Essen also so gar nicht klappt, dann kann man zunächst darauf achten, dass das Baby vorher gestillt wurde.

Insgesamt sollte man das Essen zunächst als Entdeckung, als Spiel sehen. Nicht als Nahrungsaufnahme. Denn ohne den Druck im Hinterkopf werden die Mahlzeiten wesentlich angenehmer. Der Rest kommt automatisch, sobald die nötigen Fähigkeiten erlernt wurden.