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Salz

27. Juli 2009

Die offiziellen Empfehlungen

In Deutschland wird generell empfohlen, bei Babynahrung komplett auf Salz zu verzichten. (Dass ich auch schon 8-Monats-Menügläschen mit gar nicht so wenig Salz gesehen habe, ist wieder eine andere Sache.) Dafür werden zwei Gründe angeführt: zum einen sollen die Nieren in diesem Alter noch keine größeren Mengen Salz verarbeiten können, zum anderen will man vermeiden, Kinder schon in diesem Alter an zu salziges Essen zu gewöhnen. Leider habe ich bislang keine offizielle Richtlinie zu den Salzmengen für Deutschland gefunden, etwa beim Forschungsinstitut für Kinderernähung (FKE). Kennt jemand eine offizielle Quelle?

In England wird beispielsweise ein Grenzwert für die tägliche Salzzufuhr angegeben. Die Grenze für Babys unter einem Jahr liegt bei weniger als 1 g Salz pro Tag. Ein (nicht gehäufter) Teelöffel Salz sind etwa 10 g. Oft ist auf Verpackungen stattdessen der Natriumgehalt angegeben; 0,4 g Natrium entsprechen etwa 1 g Salz. Die Angaben sind meist für 100 g des Produkts.

Gedanken

Bei der Frage, ob eine völlig salzfreie Ernährung nun sinnvoll oder auch überhaupt machbar ist, scheiden sich vermutlich die Geister. Minimale Salzmengen sind schon von Natur aus in den meisten Nahrungsmitteln enthalten, ob es nun Milchprodukte sind oder Gemüse. Wesentlich mehr Salz findet sich in verarbeiteten Nahrungsmitteln wie Speck, Wurst, Käse, Brot, Sojasauce und in vielen (Teil-)Fertiggerichten.

Natürlich muss man dabei auch bedenken, was für Mengen die Babys am Anfang zu sich nehmen (oder auch nicht). Wenn ich an einen Topf Nudelwasser eine Prise Salz gebe und das Kind dann an einer Nudel nuckelt, ist die aufgenommene Salzmenge denkbar gering. Bei einem Stück Schinken wäre sie schon wesentlich höher. Außerdem unterscheidet sich der Salzgehalt beispielsweise bei Käse stark zwischen den einzelnen Sorten. Parmesan ist wohl mit das salzigste, was man bekommt, dagegen habe ich schon Gutsdammer gesehen, der etwa zehnmal weniger Salz enthält.

Solange ein Kind noch hauptsächlich von Muttermilch oder Flaschenmilch ernährt wird, sollte man daran denken, dass auch diese Milch einiges an Salz enthält. Andererseits nimmt die Salzmenge, die ein Kind „vertragen“ kann, mit steigendem Alter auch langsam zu. Und dass eine komplett salzfreie Ernährung ebenfalls ungesund ist, lässt sich wohl auch zeigen.

Allerdings halte ich es durchaus für richtig, den Salzkonsum in der Familie ein Stück weit zu überdenken. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Gewöhnung beim Thema Salz eine große Rolle spielt. Was für den einen schon völlig versalzen ist, schmeckt dem anderen gerade richtig. Besonders, wenn man schon aus Gewohnheit den Salzstreuer auf dem Tisch stehen hat, sollte man sorgfältig prüfen, was man dem Kind anbietet. Ich weiß beispielsweise von einem tragischen Fall aus Großbrittanien, wo ein 3 Monate altes Kind starb, nachdem es normal gesalzene (oder doch übersalzene?) und pürierte Erwachsenenkost gefüttert bekommen hatte. Die Gefahr liegt wohl hauptsächlich darin, dass kaum jemand seine täglich verzehrten Salzmengen wirklich korrekt einschätzen kann und in eigentlich jedem gekauften Produkt beachtliche Salzportionen enthalten sind. Vielleicht rechne ich das für einen normalen Tag bei ganz viel Langeweile mal zusammen.

Wer experimentieren möchte, kann ja einfach mal bei dem ein oder anderen Gericht das Salz weglassen oder reduzieren. Völlig salzfrei sind die Mahlzeiten ja dann trotzdem nicht. Wenn ein Gericht mit Käse überbacken wird, oder Speck dazu angebraten wird, braucht man oft überhaupt kein reines Salz mehr hinzuzufügen. Je mehr Gewürze und Kräuter man übrigens beim Kochen benutzt, desto weniger Salz braucht man für den guten Geschmack – probiert doch einfach mal, Kräutersalz zu verwenden oder frische Kräuter an ein Gericht zu schneiden.

Unser Weg

Wir für uns haben beschlossen, Salz nicht komplett hysterisch zu meiden, aber ein Stück weit vorsichtig zu sein – was bedeutet, dass der Knirps zumindest nicht automatisch alles so gesalzen bekommt, wie wir es essen würden. Noch ist er ja nicht einmal sechs Monate alt, und bisher haben wir sein Gemüse oder seine Nudeln beispielsweise überhaupt nicht gesalzen. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich selbst ein „Wenigsalzer“ bin und gedünstetes Gemüse oder Kartoffeln normalerweise auch für mich überhaupt nicht salze. Ein Stück weit kommt unsere Entscheidung daher auch aus der Erfahrung heraus, dass mein Mann vor unserer gemeinsamen Zeit wesentlich salziger gegessen hatte und wir uns jetzt stark angenähert haben, seit wir gemeinsam kochen (will heißen: er braucht wesentlich weniger Salz, damit es schmeckt, ich salze minimal mehr als früher). Mit der Zeit wird der Knirps dann sowieso auch Lebensmittel wie Käse und Brot bekommen, bei denen wir zwar gerade anfangs etwas auf den angegebenen Salzgehalt achten werden und eher salzarme Sorten wählen wollen, aber sonst kein größeres Drumrum veranstalten werden. Schließlich wird er nicht gleich 100 Gramm Käse pur verzehren. Und wenn wir unterwegs sind, dann bekommt der Knirps auch jetzt schon von den in Salzwasser gekochten Nudeln bei Freunden und wird auch in Zukunft beim auswärts essen alles bekommen. Was da an mehr Salz verzehrt wird, lässt sich dann leicht durch salzärmere Ernährung zuhause wieder ausgleichen. Außer vielleicht die Pommes, an denen die Salzkörner rundum kleben. Aber das muss ja auch nicht sein…

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5 Kommentare leave one →
  1. 28. Juli 2009 4:32 pm

    Wir haben hier im ersten Jahr, was die Hauptmahlzeit anging, gar nicht gesalzen. Also Emmas Essen. Bei Fingerfood haben wir schlicht darauf geachtet, dass es Dinge waren, die entweder von Natur aus nicht gesalzen sind (Obst und Gemüse, bspw.) oder aber gezielt Produkte gewählt, die ausdrücklich salzfrei produziert worden sind (diverse Teigwaren).

    Und ich weiß noch gut, wie meine Großeltern den Kopf schüttelten, weil ich Emmas Essen lieber selbst gekocht und dorthin mitgenommen habe, statt ihr einfach Kartoffeln mit (extrem leckerer – aber auch extrem salziger) Geflügelsauce + Ente zu quetschen – hätten sie ja bei meinem Vater schon gemacht, als der 2 Monate alt war… „schmeckt ja gar nicht so ohne Salz“
    (Und dabei finde ich, merkt man besonders ohne Salz, WIE Gemüse eigentlich schmeckt… )

    So etwa mit 10 oder 11 Monaten (wenn ich mich richtig erinnere) haben wir Emma morgens und abends Stulle essen lassen, mit Butter und Belag, alles nicht salzfrei. Zum Mittag gab es trotzdem (bzw. gerade deswegen) ungesalzenes Essen.

    • 28. Juli 2009 5:50 pm

      Wie schon geschrieben, unterwegs werden wir zwar eher auch gesalzenes geben, aber nur leicht gesalzenes. Sauce würde ich in dem Fall dann wohl weg lassen. Oder eben doch etwas mitnehmen. Wir haben zumindest bei meinen Schwiegereltern das Glück, dass die uns sogar brav eine ungesalzene Zucchini braten 🙂 Und wenn es dann zuhause wieder salzfreies Gemüse und salzfreie Kartoffeln gibt, wird das nicht so schlimm sein, denke ich.

      • 28. Juli 2009 10:34 pm

        Ach, ich glaube auch nicht, dass das ein Weltuntergang wäre. Ich denke, man sollte das Salz eben vermeiden, so gut es geht – doch der Körper auch eines 6 Monate alten Babys hat noch genügend „Puffermöglichkeiten“, Ausnahmen zu bewältigen, solange diese jetzt nicht von immensen Ausmaß sind. Das Baby in dem Artikel bspw. war erst 3 Monate alt – da hielte ich grundsätzlich alles andere als Muttermilch oder Muttermilchersatz für mehr als bedenklich. Wir haben Emma hier mit vier oder fünf Monaten (übrigens völlig salzfreien) Reisbrei mit Banane geben wollen und ganz schnell herausgefunden, dass auch das schlicht viel zu früh war. Mit knapp 7 Monaten haben wir es dann noch einmal probiert, mit einer Mischung aus Brei/Füttern und Fingerfood/selbst entdecken. Salz eben weggelassen, wo möglich. Wenn mal nicht möglich, dann gab es eben kleinere Mengen (Hunger leiden musste Emma deswegen ja auch nicht – die Brust stand schließlich immer unbegrenzt zur Verfügung *g* ). Und wie gesagt – ab 10 oder 11 Monaten gab es morgens und abends Brot mit „normalem“ Belag (ich habe da jetzt nicht mehr extra irgendeinen salzfreien Spezial-Gemüseaufstrich fabriziert), ab ziemlich genau 12 Monaten gab (nachdem ich mir bis dahin alle Mühe gegeben habe, sie an die verschiedensten Sachen heranzuführen) es grundsätzlich dasselbe, das auch für uns auf den Tisch kam. Mit allem drumherum – Knoblauch, Zwiebeln, heiße Zitrone, Kuhmilch…
        Aber ich muss dazu sagen, dass wir ohnehin nicht sehr salzig essen (dafür bisweilen etwas schärfer… ) und ich schon auch rationiert, bspw. nur eine halbe kleine Tasse Kuhmilch angeboten oder nur eine halbe Stulle mit Salami, die andere Hälfte eben mit Hüttenkäse o.ä. gegeben habe.
        (Ausnahmen sind bis jetzt nur Räucherwaren und rohes Fleisch/Fisch geblieben. Räucherfisch wollen wir jetzt (sie ist 18 Monate alt) probieren. )

        Ah, ich schweife mal wieder ab *g* Wollte sagen, das ist bestimmt völlig in Ordnung so, denn bei kleineren Ausnahmen greift definitiv der körpereigene „Puffer“. Sonst gäbe es uns alle wohl auch nicht – denn nach allem, was ich so gehört habe, war meine Oma Bratensaucentechnisch auch nicht gerade die einzige :-/

        • 29. Juli 2009 8:49 am

          Och, schweife Du nur, ist doch interessant 😉

          Eben, Hunger leiden sie ja nicht. Der Knirps wird auch noch lange hauptsächlich von Muttermilch leben mit unserem Ansatz. Und das ist völlig in Ordnung so. Bei uns war eben der Zeitpunkt jetzt schon ganz gut, ich denke, sonst hätte er nichts davon gegessen.

          Mal sehen wie’s weiter geht…

  2. Doreen permalink
    16. November 2011 11:16 pm

    Hallo.
    Mein Sohn ist jetzt 6,5 Monate und wir haben mit Möhre begonnen. Das geht gut, da er davon mit seinen Zähnchen nur kleine Stücke abraspelt.
    Bei allem anderen hat mein Partner Bedenken wegen der Vrrschluckungsgefahr. Wie habt ihr das bei Euren Kindern erlebt? Ich vertraue meinem Kind und will es entdecken lassen. Ich habe heute Apfel geraspelt mit dem Ergebnis, das er es zwar in den Händen gematscht hat aber nicht ein einziges Mal zum Mund geführt. Den Apfelspalt gestern aber schon, seine Möhre erkennt er ja sehr gut und ist gierig danach.
    Danke. Doreen

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